Mit Plastikschwert Auge verletzt: Rollenspieler klagt

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Simon K.
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Mit Plastikschwert Auge verletzt: Rollenspieler klagt

Beitrag von Simon K. » Fr 11. Dez 2015, 20:25

Mit Plastikschwert Auge verletzt: Rollenspieler klagt

Osnabrück. Weil er bei einem Rollenspiel mit Plastikschwertern eine schwerwiegende Augenverletzung erlitten hat, klagt ein Mann aus Emden vor der 4. Zivilkammer des Landgerichts Osnabrück auf Zahlung von Schadensersatz und Schmerzensgeld. Zu dem Unfall war es am 20. April 2013 in Gehrde gekommen.

http://www.noz.de/lokales/osnabrueck/ar ... eler-klagt

Jeder von uns wurde sicherlich schonmal ausversehen am Kopf getroffen oder anders herum. Ich dachte, ich poste das mal als Denkanstoß.
// Neuigkeiten zu weiteren Cons der Phönix Carta findest du auf Facebook unter http://www.facebook.de/phoenixlarp

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Mark Fiedler
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Re: Mit Plastikschwert Auge verletzt: Rollenspieler klagt

Beitrag von Mark Fiedler » Mo 14. Dez 2015, 15:23

Es bleibt abzuwarten, wie das Urteil ausfällt.
Vorher kann man kaum abwägen, welche Folgen das für uns bzw. Larp im Allgemeinen hat.

Ich sehe da grundsätzlich die Debatte, die sich in den letzten Jahren über immer mehr Bereiche ausgedehnt hat.
Wer übernimmt Verantwortung wenn XYZ passiert?
Kinder dürfen während einer Sonnenfinsternis nicht mehr rausgehen, weil sie zu lange hingucken könnten... das war nur ein Beispiel aus der letzten Zeit, was mir gut im Gedächtnis geblieben ist, aber symptomatisch für diverse Handlungen steht... die Verantwortung suchen die Menschen zunehmend bei anderen. Klagen vor Gericht sind dann bald unausweichlich.

Wie soll man damit im mehr oder minder öffentlichen Bereich einer Larpveranstaltung umgehen?
Kriegt demnächst jeder Spieler seinen persönlichen Aufpasser NSC zugewiesen?
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Re: Mit Plastikschwert Auge verletzt: Rollenspieler klagt

Beitrag von Gideon Scheel » Mi 16. Dez 2015, 13:22

Hallo Allesammen,

es ist immer eine unschöne Sache, wenn jemand auf einer Con zu Schaden kommt und ich hoffe es werden keine bleibenden Schäden zurückbleiben, aber es ist auch so, dass es in der Verantwortung jedes Spielers liegt, einerseits nicht zu Schaden zu kommen und auch dafür zu sorgen, dass die Mitspieler ebenso nicht in Gefahr geraten.

Damit möchte ich sagen, das es bedauerlich ist, wenn bei einem Unfall so etwas passiert, aber es ist kein Grund zu klagen, dafür unterschreibt man auch eine Verzichtserklärung vor der Con. Sollte dies eine mutwillige Tat gewesen sein, so ist eine Klage durchaus gerechtfertigt.

Ich will hier auch nicht sagen, dass wir uns für dieses Thema jetzt sensibilisieren müssen, oder so einen Firlefanz, nur dass wir uns immer darüber im Klaren sein sollten, das auch eine Larpwaffe verletzend sein kann und wir alle die Verantwortung dafür tragen, dass das eben nicht passiert.

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Lars Büker
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Re: Mit Plastikschwert Auge verletzt: Rollenspieler klagt

Beitrag von Lars Büker » Mi 16. Dez 2015, 19:55

Mark Fiedler hat geschrieben:[...]
Kinder dürfen während einer Sonnenfinsternis nicht mehr rausgehen, weil sie zu lange hingucken könnten[...]
Habe ich gar nichts von mitbekommen. Wo und wann ist das denn gewesen? Und wie waren da die Umstände?
Gideon Scheel hat geschrieben: Damit möchte ich sagen, das es bedauerlich ist, wenn bei einem Unfall so etwas passiert, aber es ist kein Grund zu klagen, dafür unterschreibt man auch eine Verzichtserklärung vor der Con. Sollte dies eine mutwillige Tat gewesen sein, so ist eine Klage durchaus gerechtfertigt.
Finde ich einen guten Beitrag zudem Vorfall. Ich möchte noch ergänzen: Wir waren nicht dabei, und wir kennen die Sachlage nicht. Wer weiß, vielleicht gibt es berechtigen Anlass für eine Klage. Ode auch nicht,und der Kläger ist einfach ein egozentrischer Idiot. Sowas gibt's.

Für uns bedeutet das im Großen und Ganzen nix. Eine Privatperson wurde durch eine andere Privatperson beim Ausüben ihres gemeinsamen Hobbies verletzt. Jetzt wird geklagt. Das bleibt bis auf weiteres unter sich, beziehungsweise unter denen.
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Re: Mit Plastikschwert Auge verletzt: Rollenspieler klagt

Beitrag von Mark Fiedler » Do 17. Dez 2015, 12:22

Lars Büker hat geschrieben: Habe ich gar nichts von mitbekommen. Wo und wann ist das denn gewesen? Und wie waren da die Umstände?
Dieses Jahr im März, zur partiellen Sonnenfinsternis.
Es hatte zuvor Berichte in den Medien gegeben, dass irgendwer irgendwo mal blind geworden ist, weil er während einer Sonnenfinsternis zu lange ohne Brille hingeschaut hatte.
Daher hatte man in den AWO Kindergärten (wo auch meine Frau arbeitet) verboten die Kinder während der Sonnernfinsternis nach draußen zu lassen.

Ich denke auch, wenn alle Rücksicht aufeinander nehmen, geht das alles.
Aber wie angedeutet... es gibt diese Idioten, da muss nicht mal was ernsthaftes passieren sondern nur jemand eine Chance wittern... dann hat man den Salat.
Der hier erwähnte Fall sollte uns das Thema in erster Linie bewusst machen. Wenn das dazu führt, dass alle (Spieler wie NSC) ein wenig zusätzliche Umsicht walten lassen, mache ich mir insgesamt eigentlich wenig Sorgen.
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Re: Mit Plastikschwert Auge verletzt: Rollenspieler klagt

Beitrag von Lars Büker » Do 17. Dez 2015, 18:58

Mark Fiedler hat geschrieben:Dieses Jahr im März, zur partiellen Sonnenfinsternis.
Es hatte zuvor Berichte in den Medien gegeben, dass irgendwer irgendwo mal blind geworden ist, weil er während einer Sonnenfinsternis zu lange ohne Brille hingeschaut hatte.
Daher hatte man in den AWO Kindergärten (wo auch meine Frau arbeitet) verboten die Kinder während der Sonnernfinsternis nach draußen zu lassen.
Naja, das ist ja ein klein bisschen was anderes als "Kinder dürfen nicht mehr raus". Es ist mehr, "Kindergärtner und Kindergärtnerinnen sollen Kinder nicht mehr rauslassen". ;) Und irgendwie kann ich das auch verstehen: Kein Kindergarten hat Lust darauf, dass seinen Schützlingen was zustößt. Bei schlimmem Sturm werden die Kinder ja auch nicht rausgelassen.
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Re: Mit Plastikschwert Auge verletzt: Rollenspieler klagt

Beitrag von Mark Fiedler » Fr 18. Dez 2015, 10:08

Ja, über die Formulierung kann man diskutieren. :)

Das Grundproblem scheint mir in der Gesellschaft aber zuzunehmen.
Wer übernimmt Verantwortung?
Die Kinder bei einer Sonnenfinsternis nicht raus zu lassen weil vielleicht etwas passieren könnte, würde sich bei uns im Larp extrem betrachtet darauf übertragen, dass wir keine Polsterwaffen mehr verwenden oder Kämpfe austragen, weil sich vielleicht jemand verletzen könnte. Machen wir halt nur noch Rätsellarp in gepolsterten Räumen. ;)
Denn da für Fehler und Verletzungen niemand die Verantwortung übernehmen will (und diejenigen die für sich selbst die Verantwortung übernehmen müssten, im Fehlerfall dann die Schuld bei anderen suchen), wird einfach alles was potentiell schädigend sein könnte komplett verboten.

Aber wie weit wollen wir dabei denn wirklich gehen?
Wäre es nicht sinnvoller gewesen mit den Kindern über das Phänomen an sich und über die Gefahren von zu langem zur Sonne gucken zu sprechen und sie dann den Tag ganz normal gestalten zu lassen?

Ich sehe hinter solchen Dingen halt eher ein grundsätzliches "Miteinander"-Thema... Beispiele gibt es sicher genug, da müssen wir uns nicht mal an dem hiesigen Aufhänger oder einer Sonnenfinsternis aufhalten.
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Re: Mit Plastikschwert Auge verletzt: Rollenspieler klagt

Beitrag von Sven U. » Fr 18. Dez 2015, 22:29

Der Sachverhalt muss differenziert betrachtet werden, zumindest rechtlich.

Wichtig bei der Betrachtung der Haftbarkeit bzw. der Übernahme eines (Folge-)Schadens durch die Privathaftflicht oder ggf. Veranstalterhaftpflicht (und damit auch eine möglich rechtliche Schuld/Regresspflichtigkeit) ist die Beurteilung, ob der Verursacher fahrlässig oder grob fahrlässig gehandelt hat - von Vorsatz mal ganz zu schweigen. Bei Fahrlässigkeit zahlt die Versicherung, bei grober Fahrlässigkeit nicht. Letzteres läge z.B. bei Kämpfen mit klar beschädigten/unsicheren Waffen o.ä. vor. Wenn es diese differenzierende Betrachtung nicht gäbe, würde kein Kollege mehr auf Klassenfahrt fahren und deshalb wird die KiTa-Leitung auch diesen "Erlass" herausgegeben haben. Die Konkrete Gefahr war vorhersehbar und musste unterbunden werden, ansonsten läge grobe Fahrlässigkeit vor: eine Gefahr wird eben wohlwissentlich und ohne zwingenden Grund in Kauf genommen.

Für irgendwas waren die Fortbildungen der Unfallkasse dann ja doch mal gut...

Ergo i.d.R. kein Grund, sich/uns aufzuregen.

Frohe Weihnachten da draußen!
....sie wollen nicht ganz ernst genommen werden, aber ihre Gegner müssen sie ernst nehmen...

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Re: Mit Plastikschwert Auge verletzt: Rollenspieler klagt

Beitrag von Eggenwirth » Sa 2. Jan 2016, 18:44

Schwierig dazu ohne genauen Unfallhergang etwas sagen zu können. es gibt oft genug Leute die sich einfach in die gegnerischen Reihen werfen da ist die Gefahr natürlich größer.
Das man auch mit Latexwaffen vorsichtig sein sollte, ist glaube ich für jeden einleuchtend.

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Re: Mit Plastikschwert Auge verletzt: Rollenspieler klagt

Beitrag von Lars Discher » Fr 29. Jan 2016, 14:55

Das Urteil ist da, allerdings noch nicht rechtskräftig.
http://www.rechtsindex.de/recht-urteile ... erzensgeld
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Drittens durch Erfahrung: Das ist der Bitterste.
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Re: Mit Plastikschwert Auge verletzt: Rollenspieler klagt

Beitrag von Lars Büker » Sa 30. Jan 2016, 00:19

Danke für den Link!

Ich zitiere da mal draus:
[...]zum einen würden die Regeln der LARP-Veranstaltung, an der die Parteien teilgenommen hatten, lediglich vorsätzliche Kopftreffer verbieten, zum anderen sei dem Kläger bereits vor seiner Teilnahme an dem Rollenspiel bekannt gewesen, dass es bei solchen Kämpfen hin und wieder auch zu Kopftreffern kommen kann. Soweit er dennoch an den Kampfszenen teilgenommen habe, habe er mit seiner Teilnahme stillschweigend darin eingewilligt, wegen fahrlässiger Kopftreffer und deren Folgen keine Ansprüche gegen andere Kampfteilnehmer geltend zu machen.
Das deckt sich mit dem, was ich seit Jahren sage: Bei Sport kommt es auch zu Verletzungen, und keiner klagt, weil er nach'm Fußballspiel eine Bänderdehnung hat. Das ist ein Risiko, was man durch Teilnahme eben in Kauf nimmt.
In Wirklichkeit bin ich viel hübscher.

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